Neurodermitis und die Behandlungsmöglichkeiten in der Naturheilkunde
Claudia Langohr, niedergel. Heilpraktikerin
Ich möchte mich kurz vorstellen: ich bin seit 1980 in der Naturheilkunde tätig, seit 1998 bin ich in eigener Praxis in Roth, in der Nähe von Nürnberg niedergelassen und behandle hauptsächlich Allergiker, Asthma- und Neurodermitis-Patienten. Da die Vielzahl der Allergiker und Neurodermitiker Kinder sind, arbeite ich vorwiegend auch mit Kindern.
Im Rahmen dessen hat sich im Laufe der Zeit immer wieder bei den Müttern meiner kleinen Patienten die Frage gestellt: Was tun, wenn das Kind krank ist, ich aber keine Chemie geben möchte?
Eine Mutter eines kleinen Patienten bat mich dann eines Tages, im Kindergarten einen Vortrag zum Thema Hausapotheke zu halten und so ergab es sich, dass ich mittlerweile an 2 3 Abenden in der Woche an verschiedenen Volkshochschulen -im Umkreis von 100 km um Nürnberg -Vorträge halte und im Herbst 2002 mein Buch mit dem Titel: Die natürliche Hausapotheke für Kinder auf der Frankfurter Buchmesse vorstellen konnte.
Die Behandlung der Neurodermitis in der Naturheilkunde
Ca. jedes 4. Bis 5 Kind leidet derzeit an einer mehr oder minder schweren Form von Neurodermitis. Bei ca. 60% der Erkrankten kann die Schulmedizin keine Heilung bzw. ausreichende Besserung des Krankheitsbildes erreichen. Ein Großteil dieser Patienten sucht dann Rat und Hilfe in der Naturheilkunde.
Bekannte Ärzte, wie z. B. Hippokrates, der schon 300 v. Chr. Auf die Tatsache hingewiesen hatte, dass der Tod im Darm liegt, oder Paracelsus, der im 15. Jhd. lehrte, dass der innere Arzt das entscheidende Prinzip bei der Behandlung sei, haben zur damaligen Zeit schon den Kranken als ganzes System gesehen.
Auch Vinzenz Prießnitz (18. Jhd.) und Pfarrer Kneipp (19. Jhd.) setzten bei der bis heute bekannten Wassertherapie Reize, die den Körper dazu anregen sollten, sich selbst wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Naturheilkunde oder auch Ganzheitsmedizin bedeutet, das ganze System und nicht nur einzelne Symptome zu behandeln.
Die Neurodermitis wird in der Naturheilkunde als die Summe vieler Einzelbelastungen gesehen.
Man kann sich das vorstellen wie einen Eimer, der sich im Laufe der Zeit immer weiter füllt und dann, wenn er voll ist, natürlich auch überläuft. Überlaufen heißt dann, es zeigt sich z. B. eine Neurodermitits.
Einen Einblick dazu soll die Folie geben.
Folie: Die Gesamtbelastung und ihre Einzelfaktoren
Den Grundstock bildet die sogen. genetische Belastung. Diese Belastung erbt man von den Eltern bzw. auch Großeltern und sie ist in mehr oder weniger großem Ausmaß bereits bei der Geburt im Eimer enthalten. Bei vielen Kindern, die bereits im ersten Lebensjahr erkranken, ist diese Belastung sehr hoch.
Dazu kommen dann im Laufe der Zeit weitere Belastungen wie z. B.
- Allergene (Nahrungsmittel, Pollen, Schimmelpilz-Sporen, Hausstaub, Tierhaare usw.)
- natürliche Toxine
- synthetische Chemikalien in Luft, Wasser, Kleidung, Wohnung, Medikamenten
- Radioaktivität (natürlich und anthropogen)
- Elektrostress und geopathogene Zonen
- Psycho-sozialer Stress
- Klima und Wetter
- Lärm, Schlafmangel, Überanstrenung, Bewegungsmangel
- Infektionen
- Nährstoffmangel
Als Folge davon entsteht eine Überlastung der Entgiftungskapazität und der Eimer läuft über.
Hier setzt nun die naturheilkundliche Therapie an.
Zuerst versucht man, die weitere Zufuhr von Belastungen zu stoppen, aber auch die Entgiftungskapazität zu erhöhen. Als Sofortmassnahme empfehle ich den Patienten:
1. Die Zufuhr weiterer Belastungen stoppen
- Toxine vermindern (Kaffee/Nikotin/Nahrungsmittelzusätze usw)
- Synthetische Chemikalien vermeiden (z. B. Extra-Waschgang ohne Waschmittel, Nahrungsmittel-Zusätze, parfürmierte Kosmetik, usw.)
- Elektro-Stress vermindert (z. B. Fernseher od. PC aus dem Schlafzimmer, am Bett im Kopfbereich keine Radio- oder Funkwecker, kein Funktelefon usw.)
- Amalgamfüllungen aus den Zähnen entfernen lassen
- Nahrungsmittel - Allergene beseitigen - hier in erster Linie Kuhmilcheiweiß (90% aller Neurodermitiker), Weizenmehl, Eier, Soja, Nüsse, Fisch;
- Andere Allergene beseitigen (z. B. Bettfedern, Rosshaarmatratzen, Schafwolldecken)
- Bei Allergien auf Kuhmilcheiweiß bzw. Weizenmehl ist eine Ernährungsberatung hilfreich. Eine milchfreie Ernährung ist aber durchaus vertretbar, da man durchaus auch ohne Milch den täglichen Calcium-Bedarf decken kann
Folie: Calciumhaltige Lebensmittel
- Allergietests mache ich in meiner Praxis mit der Elektro-Akupunktur n. Voll, ebenso geeignet sind aber auch verschiedene andere Verfahren.
Die Elektroakupunktur nach Voll (EAV) ist ein Verfahren, bei dem mit Hilfe eines Messgerätes die Leitfähigkeit des Gewebes an bestimmten Punkten gemessen wird. Mit der EAV können krankhafte Vorgänge im Körper frühzeitig erfasst werden. Es können aber auch Allergene ausgetestet werden.
Die EAVenthält Gedankengut aus der Akupunktur, aus der Elektrotherapie und aus der Homöopathie. Begründet wurde diese Diagnose- und Therapiemethode vom Arzt Reinhold Voll. Er entwickelte 1971 das erste Elektroakupunktur-Gerät. Dieses Gerät misst einerseits den Widerstand an bestimmten Punkten der Hautoberfläche (zum Teil Punkte aus den verschiedenen Akupunkturkonzepten, zum Teil selbst gefundene Punkte), andererseits ist es in der Lage, schwache elektrische Impulsströme abzugeben.
2. Entgiftung unterstützen
- Um die Entgiftung anzuregen, ist viel Bewegung an der frischen Luft hilfreich. Viel trinken (ca. 3l/die) sollten eine Selbstverständlichkeit sein. Hier eignet sich am besten ein kohlensäurearmes Wasser oder jegliche Art von Tee (kein Schwarztee).
Dies sind einfache Massnahmen, die jeder Patient zuhause durchführen kann.
- Patienten die in gutem Allgemeinzustand sind, empfehle ich durchaus unter meiner Aufsicht - auch eine Heilfasten-Kur für einige Tage. Die Dauer des Heilfastens ist hier nicht entscheidend, es kann schon eine Fasten-Dauer von 2 Tagen Besserung bringen. Wichtig ist hier allerdings, dass der Patient ca. 5 l trinkt, da sich das Hautbild sonst auch verschlechtern kann.
Das Heilfasten sollte nur unter therapeutischer Aufsicht stattfinden.
Wichtige Entgiftungsorgane sind: Darm/Leber/Niere/Lymphsystem. Diese sollten bei jeder Neurodermitis-Therapie im Vordergrund stehen.
- Ein wichtiger Faktor der Entgiftung ist der Darm.
Im Darm findet die Verdauung statt, d. h., Stoffe, die der Körper braucht, werden über die Darmschleimhaut aufgenommen. Abfallstoffe, die nicht benötigt werden, werden hier ausgeschieden.
Voraussetzung hierfür ist die richtige Funktion des Darmes. Wenn hier z. B. durch entzündliche Veränderungen, wie sie oft bei Neurodermitikern vorhanden sind, oder durch allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel, oder auch durch einen Darmpilz die Funktion eingeschränkt ist, dann entstehen einerseits Nährstoffmängel, andererseits ist auch die Entgiftungsfunktion eingeschränkt. Meist haben diese Patienten auch Verdauungsprobleme inform von Blähungen , Durchfall, Verstopfung. Vereinzelt gibt es aber auch beschwerdefreie Patienten.
Dies bedeutet, dass bei jedem Neurodermitis-Patienten, der meine Praxis aufsucht erst einmal eine Stuhluntersuchung gemacht wird. Ich lasse im Labor untersuchen, ob die Darmflora in Ordnung ist und ob evtl. ein Darmpilz vorhanden ist.
Wenn hier ein positiver Befund erhoben wird, d. h. es wird ein Darmpilz gefunden, dann steht in erster Linie die Behandlung des Pilzes und die Sanierung des Darmes an. Jede anschliessende Therapie kann besser greifen, wenn der Darm saniert ist.
Bei den meisten Patienten erreicht man durch die vorgenannten Massnahmen schon eine entscheidende Besserung des Gesundheitszustandes. Viele Patienten sind hier aber auch schon beschwerdefrei.
- Beschwerdefreie Patienten erhalten noch Vitamin- und Mineralstoffe, um den Therapieerfolg zu festigen und das Immunsystem zu stabilisieren.
3. Andere Belastungen ausleiten
Patienten, die noch nicht beschwerdefrei sind, werden nochmals mit der EAV ausgetestet, um festzustellen, ob evtl.
- Amalgambelastungen
- Belastungen andere Giftstoffe wie z. B. Formaldehyd
- Belastungen durch Medikamente usw. oder
- andere Belastungen vorhanden sind.
Wenn ich hier fündig werde, dann müssen diese Belastungen ausgeleitet werden, was ich meist inform von Eigenblut-Injektionen mache. Bei Kindern kann man evtl. auch Globuli verabreichen.
Patienten mit Amalgamfüllungen sollten diese entfernen lassen und eine Amalgamausleitung machen. Näheres zu Amalgam und die Belastungen erfahren Sie im Internet unter: www.amalgam.de
4. Psycho-sozialer Stress
Das seelische Gleichgewicht ist für Neurodermitiker sehr wichtig. Auf kleine Unstimmigkeiten, die andere Menschen meist nicht berühren reagieren viele Neurodermitiker mit Hauterscheinungen.
Viele Patienten setzen sich durch ihre Krankheit selbst unter Druck (z. B. Fehlen am Arbeitsplatz) und so verschlechtert sich scheinbar grundlos das Hautbild.
Auch unterschwellige familiäre Belastungen können so einen Schub verursachen.
Von Kindern ist bekannt, dass z. B. der Schuleintritt oder die Trennung der Eltern Hautreaktionen hervorrufen. Hier sollte man durchaus die Hilfe eines Therapeuten in Anspruch nehmen.
Eine Hauterkrankung sagt aus: Ich fühle mich nicht wohl in meiner Haut.
Wenn man all dies bei der Ganzheitstherapie der Neurodermitis beherzigt, kommt man sicher auch in therapieresistenten Fällen einige Schritte weiter.
Was können Sie nun selbst tun?
- Auf bekannte Allergene verzichten
- Da 90% aller Neurodermitiker auf Kuhmilch reagieren, versuchen Sie 2 Wochen lang kuhmilcheiweiß-frei bzw. eifrei zu leben. Eine Änderung stellt sich erst nach dieser Zeit ein. Denken Sie auch an verstecktes Kuhmilcheiweiß (z.B. Molke, Molkepulver, Lact-, Ovo-usw); eine Broschüre zum Thema Milch-/eifreie Ernährung erhalten Sie kostenlos bei der Gesellschaft für Biolog. Krebsabwehr; die Adresse finden Sie in der Broschüre; bitte einen Rückumschlag beilegen, den Sie mit 1,44 Euro frankieren.
- Babys sollten mindesten 6 Monate gestillt werden; während dieser Zeit kann auch Kuhmilcheiweiß über die Muttermilch zum Kind gelangen; auch HA-Nahrung enthält kuhmilcheiweiß; dies ist zwar verändert und so für die Babys leichter verdaulich, aber bei einer Kuhmilcheiweiß-Allergie nicht geeignet. Besser wäre hier Sinlac-Nahrung von Nestle oder Bambinchen (Ziegenmilch-Basis); Die Bezugsadresse finden Sie in der Broschüre
- Anhand eines Ernährungstagebuches herausfinden, auf welche Nahrungsmittel Sie zusätzlich reagieren
- zuckerfreie Ernährung; Zucker beeinflusst die Darmflora und kann so das Hautbild verschlechtern
- Verzicht auf Nahrungsmittelzusatzstoffe, d. h. keine Fertig- oder Halbfertigprodukte verwenden
- Abklärung einer Darmmykose, Aufbau der Darmflora; Adresse des Mikroökolog. Labors finden Sie in der Broschüre
- Viel trinken, mindestens 2,5 bis 3 l täglich, vorzugsweise kohlensäurearmes bzw. freies Wasser oder Tees, unterstützend bei Juckreiz vorzugsweise Stiefmütterchen-Tee. Das Rezept finden Sie in der Broschüre!
- Gegen den Juckreiz kann man zusätzlich Wickel oder Auflagen aus Stiefmütterchen-Absud machen
- Auf naturbelassene Kleidung achten; Babys mit Stoffwindeln wickeln,da viele Babys auf Einwegwindeln allergisch reagieren; Bezugsadresse finden Sie in der Broschüre
- Neurodermitiker-Haut braucht Pflege; am besten verwenden Sie zum Baden ein einfaches, kaltgepresstes Olivenöl aus dem Reformhaus. Sie können - sofern Sie nicht auf Pflanzen reagieren- ein Ringelblumenöl verwenden. Das Rezept können Sie ebenfalls aus der Broschüre entnehmen. Für Allergiker, die auf alle herkömmlichen Pflegecremes reagieren habe ich außerdem noch eine Olivenöl-Creme sowie ein Sonnenöl hausgemacht - mit in die Broschüre aufgenommen.
- Bei Erkrankungen eines Neurodermitikers wie z. B. grippale Infekte, sollte man nicht gleich zu chemischen Arzneimitteln greifen, versuchen Sie erstmal, mit einem Kräutertee oder einem Wickel die Beschwerden in den Griff zu bekommen, dies alles sind Belastungen, die wiederum die Haut verschlechtern können.
- Hilfreiche Tipps für pflanzliche Arzneimittel und Kräuter, die man in der Hausapotheke haben sollte, sowie Anleitungen für Wickel und Kräutertees finden Sie in meinem Buch: Die natürliche Hausapotheke für Kinder.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen, die Sie selbst betroffen sind oder betroffene Angehörige haben einige Anreize geben, die für Sie hilfreich sind. Alle Adressen und Rezepte, die ich genannte habe, finden Sie in der Broschüre hier, sie ist kostenlos.
Wer mein Buch erwerben möchte, kann dies ebenfalls hier bekommen, es kostet 12,90 Euro.